Europa, Kontinent der Versöhnung?
40 Jahre nach dem Besuch Willy Brandts in Warschau
Konferenz am 7. Dezember 2010 im Königsschloss Warschau

Museum der Geschichte der polnischen Juden

Der entscheidende Anstoß zum Bau des Museums kam vom ehemaligen Direktor des Washingtoner Jüdischen Museums Shaike Weinberg, der, selbst in Warschau geboren, eine Gedenkstätte im Sinn hatte, welche das Verständnis für jüdische Kulturgeschichte fördert und den Dialog zwischen Polen und Juden etabliert. In die Wege geleitet wurde dann Projekt dann 1996 von der Gesellschaft des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, unterstützt wird es von der Stadt Warschau, dem Kulturminister Polens sowie einer internationalen Gemeinschaft aus Spendern und Unterstützern.
Das Ziel des Museums ist die Präsentation der Geschichte der polnischen Juden und die reichhaltige Kultur, die im Laufe ihrer über 1000-jährigen Geschichte entstanden ist. Neben der Bewahrung des Vermächtnisses der jüdischen Kultur schlägt es gleichzeitig eine Brücke in die heutige Zeit und ermutigt mit seiner interaktiven und breitgefächerten Ausstellung einen erneuten Dialog im Sinne gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz.
Die Ausstellung wird von einem internationalen Team von Wissenschaftlern aus Polen, den USA und Israel sowie von den Mitarbeitern des Museums konzipiert. Es wird sieben historische Galerien geben, welche die Geschichte der ehemals weltweit größten polnischen Gemeinschaft darstellen werden. Die Reise beginnt im frühen Mittelalter und den ersten Juden in Polen und führt über das 17. Jahrhundert mit der Entstehung der ersten „Schtetl“, das 19. Jahrhundert und das jüdische Leben in Großstädten bis zur Machtergreifung Hitlers und den Grauen des Holocaust zu Lebenssituation der jüdischen Bevölkerung im kommunistischen Polen und wird abschließend auch Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Diese Ausstellung wird ein Drittel der Museumsfläche einnehmen, die restliche Fläche wird für temporäre Ausstellungen, einen Mehrzweckraum für Konferenzen, Konzerte und Filmvorführungen, Seminarräume, ein Restaurant und Café zur Verfügung stehen.
 
Polen beheimatete einst die größte jüdische Gemeinschaft weltweit und war der Mittelpunkt der jüdischen Diaspora, die auch gleichzeitig eine der kulturell vielfältigsten war, doch erst in den letzten Jahren entstand wieder ein Bewusstsein für die gemeinsame polnisch-jüdische Kultur.
Etwa 10% der damaligen polnischen Bevölkerung, also ca 3,5 Millionen Menschen, gehörten dem jüdischen Glauben an. Nur 280.000 von ihnen überlebten den 2. Weltkrieg. Viele der Überlebenden wanderten nach Pogromen während der Nachkriegszeit aus oder wurden im Verbund mit antisemitischen Hetzkampagnen Ende der 1960 Jahre des Landes verwiesen.
In Warschau errichteten die Nazis im Herbst 1940 ein Ghetto, in dem zeitweise bis zu 500.000 Menschen zusammengepfercht wurden. Sofern sie nicht schon aufgrund der katastrophalen Bedingungen im Ghetto starben, wurden tausende in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Kurz vor der Liquidierung des Ghettos im April 1943 kam es zu einem letzten verzweifelten Kampf der überlebenden Bewohner, dem Warschauer Ghetto-Aufstand, der jedoch brutal niedergeschlagen wurde und weitere Tausende das Leben kostete. Zur Erinnerung an diese Ereignisse wurde bereits 1946 ein erstes Denkmal auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos errichtet, das 1947 durch ein größeres ergänzt wurde. An dieser Stelle fand auch der historische Kniefall Willy Brandts statt. , Das neue jüdische Museum entsteht nun in unmittelbarer Nähe zum Denkmal des Ghetto-Aufstands.
 
Die Eröffnung des Museums ist für 2012 geplant.
 
http://www.jewishmuseum.org.pl/