Europa, Kontinent der Versöhnung?
40 Jahre nach dem Besuch Willy Brandts in Warschau
Konferenz am 7. Dezember 2010 im Königsschloss Warschau

Denkmal der Ghettohelden – Pomnik Bohaterów Getta

Im ehemaligen Warschauer Ghetto pferchten die deutschen Nationalsozialisten zeitweise eine halbe Million der jüdischen Bewohner Warschaus ein. Viele starben an Hunger und Seuchen, die meisten wurden in Viehwaggons zum Vernichtungslager Treblinka gebracht und dort ermordet. Als die SS am 19. April 1943 mit einer weiteren Liquidierungsaktion beginnen wollte, wurde sie mit Schüssen empfangen. Die jungen Kämpfer machten sich keine Illusionen, wollten sich jedoch nicht wehrlos zur Schlachtbank treiben lassen. Der ungleiche Kampf dauerte 28 Tage. Nur wenige der rund 60 000 Menschen, die sich zu der Zeit noch im Ghetto befanden, überlebten. Nach der Niederschlagung des Aufstands blieben nur die ausgebrannten Ruinen des Ghettos übrig, die anschließend von den Deutschen dem Erdboden gleichgemacht wurden.

 
1946 wurde inmitten der Trümmer in der ul. Zamenhofa das erste Ehrenmal errichtet – eine runde Steinplatte, waagrecht im Geländeniveau eingelassen. Der Entwurf stammte vom Architekten Leon Marek Suzin. Die Gedenkplatte wurde am 16. April 1946 enthüllt. Auf einer Tafel aus rotem Sandstein ist eine Inschrift in polnischer, hebräischer und jiddischer Sprache zu lesen: ”Für die, die im beispiellosen Kampf um Würde und Freiheit des jüdischen Volkes, um Freiheit Polens, um Befreiung der Menschheit gefallen sind. Polnische Juden”.

Neben dem Mahnmal, einem Bunkereingang nachempfunden, erinnert das zwei Jahre später aufgestellte Denkmal der Ghettohelden (Pomnik Bohaterów Getta) an die Opfer des Aufstands im April 1943. Das Denkmal wurde 1947 vom jüdischen, in Warschau geborenen Bildhauer Nathan Rapaport in Zusammenarbeit mit Leon Marek Suzin entworfen und am 19. April 1948 zum 5. Jahrestag des Aufstandsbeginns in den Ghettoruinen enthüllt. Finanziert wurde es aus Spenden.

Das Ehrenmal besteht aus einer elf Meter hohen steinernen Stele mit einer bronzenen Skulpturengruppe in der Mitte, flankiert von zwei bronzenen Menorahs. Eine Kopie der Skulpturengruppe befindet sich in Yad Vashem in Jerusalem. Die Schnitzerei auf der Westseite des Denkmals zeigt die Aufständischen des kämpfenden Ghettos. Auf der Rückseite der Stele befindet sich ein Flachrelief mit der Darstellung des Zuges der Holocaust-Opfer.  An diesem Denkmal kniete der damalige Bundeskanzler Willy Brandt 1970 nieder.

Vom Denkmal der Ghettohelden weisen 16 in Polnisch und Hebräisch beschriftete Granitsteine den Weg zum einstigen „Umschlagplatz“ in der ul. Stawki. Hier, am damaligen Danziger Bahnhof, gingen die Todestransporte nach Treblinka ab. Der erst 1983 aufgestellte Gedenkstein löst bei vielen Besuchern besonders tiefe Betroffenheit aus. Denn die über 400 eingravierten jüdischen Vornamen reißen das Verbrechen aus seiner Anonymität.