Europa, Kontinent der Versöhnung?
40 Jahre nach dem Besuch Willy Brandts in Warschau
Konferenz am 7. Dezember 2010 im Königsschloss Warschau

Hintergrund

Am Vormittag des 7. Dezember 1970, dem Tag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrags in Warschau, sieht das Programm zwei Kranzniederlegungen vor: eine am Grabmal des unbekannten Soldaten und eine am Denkmal für die im Ghetto von deutschen SS-Einheiten ermordeten Juden. 

Am Grabmal des unbekannten Soldaten schreibt Willy Brandt in das Gästebuch: „Im Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs und an die Opfer von Gewalt und Verrat, in der Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden und auf Solidarität zwischen den Völkern Europas.“

Am Denkmal für die im Warschauer Ghetto von Deutschen ermordeten Juden kniet Brandt nieder.

Zwanzig Jahre später schreibt Willy Brandt: „Es war eine ungewöhnliche Last, die ich auf meinem Weg nach Warschau mitnahm. Nirgends hatte das Volk, hatten die Menschen so gelitten wie in Polen. Die maschinelle Vernichtung der polnischen Judenheit stellte eine Steigerung der Mordlust dar, die niemand für möglich gehalten hat. Wer nennt die Juden, auch aus anderen Teilen Europas, die allein in Auschwitz vernichtet worden sind? Auf dem Weg nach Warschau lag die Erinnerung an sechs Millionen Todesopfer. Lag die Erinnerung an den Todeskampf des Warschauer Ghettos, den ich von meiner Stockholmer Warte verfolgt hatte und dem die gegen Hitler kriegsführenden Regierungen kaum mehr Notiz nahmen, als vom heroischen Aufstand der polnischen Hauptstadt einige Monate danach. … Ich hatte nichts geplant, aber Schloss Wilanow, wo ich untergebracht war, in dem Gefühl verlassen, die Besonderheit des Gedenkens am Ghetto-Monument zum Ausdruck bringen zu müssen. Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last Millionen Ermordeter tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt.“